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Fassadensanierung

Außenwand dämmen: Systeme und Verfahren

Außenwand dämmen: WDVS, hinterlüftete Fassade, Kerndämmung oder Innendämmung – die Systeme im Vergleich, mit Eignung, Kosten und typischen Schwachstellen.

Angaben zur Ausarbeitung

Autor
Markus Brandt
Veröffentlicht
Lesezeit
5 Min.
Außenwand dämmen: Systeme und Verfahren

Wer eine Außenwand dämmen möchte, hat die Wahl zwischen vier grundsätzlich verschiedenen Systemen: dem Wärmedämmverbundsystem, der vorgehängten hinterlüfteten Fassade, der Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk und der Dämmung von innen. Welches Verfahren infrage kommt, entscheiden Bauweise, Fassadengestaltung, Budget und rechtliche Vorgaben wie Denkmalschutz oder Grenzabstand. Die Grundlagen zur Innendämmung – Aufbau, Taupunkt, Materialwahl – behandelt der Grundlagenartikel dieser Reihe ausführlich; hier geht es um den Überblick über alle Systeme und ihre jeweiligen Einsatzgrenzen.

Wärmedämmverbundsystem (WDVS): der Standardfall

Das Wärmedämmverbundsystem, auch ETICS genannt, ist die mit Abstand am häufigsten ausgeführte Lösung für die Fassadendämmung. Dämmplatten aus expandiertem Polystyrol (EPS), Mineralwolle oder Holzfaser werden vollflächig auf den tragfähigen Putzuntergrund geklebt und je nach Wandaufbau zusätzlich gedübelt. Darauf folgen ein Armierungsputz mit eingebettetem Glasfasergewebe und ein Ober- beziehungsweise Edelputz als Witterungsschutz.

Für Neubauten und Sanierungen nach den Vorgaben des Gebäudeenergiegesetzes sind heute Dämmstärken zwischen 14 und 20 Zentimetern üblich, um den geforderten U-Wert der Außenwand zu erreichen. Der große Vorteil des WDVS liegt darin, dass es die Wärmebrücken an Decken, Balkonplatten und Fensterlaibungen wirksam schließt, ohne dass innen Wohnfläche verloren geht.

Dem stehen einige Punkte gegenüber, die in der Praxis oft unterschätzt werden:

  • Die Fassadenoptik verändert sich sichtbar – Sichtmauerwerk, historische Gliederungen oder Stuckelemente verschwinden unter der Dämmschicht.
  • Bei EPS-Dämmstoffen schreibt die Bauordnung ab einer bestimmten Gebäudehöhe umlaufende Brandriegel aus nichtbrennbarer Mineralwolle vor.
  • Wird der Sockel- oder Anschlussbereich schlampig ausgeführt, sind Algenbewuchs und Feuchteschäden an der Putzoberfläche die Folge.

Ausgeführt wird ein WDVS von Stuckateur- oder Malerbetrieben; für die Förderfähigkeit über KfW oder BAFA ist zwingend die Einhaltung der aktuellen U-Wert-Grenzwerte sowie eine fachgerechte Bestätigung nach Ausführung nötig.

Vorgehängte hinterlüftete Fassade (VHF) als Alternative

Bei einer vorgehängten hinterlüfteten Fassade wird zunächst eine Unterkonstruktion aus Holzlatten oder Metallprofilen an der Wand befestigt. In die entstehenden Gefache kommt die Dämmung, meist nichtbrennbare Mineralwolle, gefolgt von einem Luftspalt und der eigentlichen Fassadenbekleidung aus Holz, Faserzementplatten, Metall oder Klinkerriemchen.

Der Luftspalt zwischen Dämmebene und Verkleidung sorgt dafür, dass eindringende Feuchtigkeit ständig abtrocknen kann. Dadurch gilt die VHF als besonders langlebig und diffusionsoffen, mit deutlich geringerem Schimmelrisiko als bei verputzten Systemen. Sie erlaubt zudem eine große gestalterische Freiheit und lässt sich auch auf unebenen oder statisch heiklen Untergründen montieren, weil die Unterkonstruktion Toleranzen ausgleicht.

Der Preis dafür ist ein spürbar höherer Material- und Montageaufwand im Vergleich zum WDVS, außerdem muss der Wandbaustoff die Lasten der Unterkonstruktion und der Verkleidung sicher aufnehmen können – bei stark geschädigtem oder wenig tragfähigem Mauerwerk ist das vorab statisch zu prüfen. In der Praxis kommt die VHF vor allem bei hochwertigen Sanierungen, Gewerbe- und Mehrfamilienhäusern sowie überall dort zum Einsatz, wo ein WDVS aus gestalterischen oder bauphysikalischen Gründen ausscheidet.

Kerndämmung im zweischaligen Mauerwerk

Ein Sonderfall betrifft Gebäude mit zweischaligem Mauerwerk, wie es besonders bei Backsteinfassaden aus der Nachkriegszeit verbreitet ist: Zwischen der tragenden Innenschale und der sichtbaren Verblendschale liegt ein schmaler Hohlraum, der ursprünglich nur der Feuchteableitung diente. Dieser Hohlraum lässt sich nachträglich mit Einblasdämmstoff wie Perlite, Mineralwollflocken oder Polyurethanschaum verfüllen.

Der Fachbetrieb bohrt dazu ein Raster von Löchern in die Fugen der Verblendschale, bläst den Dämmstoff maschinell in den Hohlraum ein und verschließt die Bohrlöcher anschließend fugenfarben. Das Verfahren ist im Vergleich zu WDVS und VHF schnell und günstig, verändert die Fassadenoptik praktisch nicht und kommt oft ohne vollständiges Gerüst aus.

Die Dämmwirkung ist allerdings durch die vorhandene Hohlraumbreite begrenzt – häufig stehen nur vier bis sechs Zentimeter zur Verfügung, was für heutige Neubaustandards nicht ausreicht, für die energetische Aufwertung von Bestandsgebäuden aber einen spürbaren Effekt bringt. Vor der Ausführung muss eine Bauwerksdiagnose ausschließen, dass Feuchtebrücken zwischen den Schalen bestehen, etwa durch beschädigte Mörtelbrücken oder fehlende Sperrschichten – sonst kann Feuchtigkeit durch den eingeblasenen Dämmstoff auf die Innenschale übertragen werden.

Außenwand innen dämmen: welche Systeme stehen zur Wahl?

Lässt sich die Fassade nicht von außen verändern – etwa bei denkmalgeschützten Gebäuden, Sichtfachwerk, aufwendigen Stuckfassaden oder bei Grenzbebauung ohne Abstandsfläche –, bleibt nur, die Außenwand von innen zu dämmen. Für diesen Fall gibt es mehrere technische Ausführungen, die sich vor allem im Umgang mit Feuchtigkeit unterscheiden:

  • Verbundplatten aus Dämmstoff, Dampfbremse und Gipskartonbeplankung, die vollflächig verklebt oder auf eine Unterkonstruktion montiert werden – schnell verarbeitet, aber empfindlich gegenüber undichten Anschlüssen.
  • Kalziumsilikatplatten, ein kapillaraktives, stark alkalisches Material, das Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben kann und deshalb ohne zusätzliche Dampfsperre auskommt – eine der schimmelresistenteren Lösungen für die Innendämmung.
  • Holzfaserdämmplatten mit Lehm- oder Kalkputz, diffusionsoffen und gut geeignet für Fachwerk- und Altbauten, bei denen die Wand insgesamt atmungsaktiv bleiben soll.
  • Einblasdämmung in einer vorgesetzten Ständerkonstruktion, wenn größere Dämmstärken nötig sind, etwa Zellulose oder Mineralwolle zwischen einer Lattung vor der Bestandswand.

Allen Varianten der Dämmung von innen gemeinsam ist, dass sich die Kondensationsebene innerhalb der Wandkonstruktion nach außen verschiebt, was die kalte Bestandswand feuchter und kälter macht als zuvor. Deshalb braucht jedes System eine auf die vorhandene Wandkonstruktion abgestimmte Berechnung von Dampfdiffusion und Wärmebrücken an Decken, Innenwänden und Fensterlaibungen – dieser bauphysikalische Teil wird im Grundlagenartikel zur Innendämmung im Detail erklärt. Wer eine Wand innen dämmen will, sollte diese Berechnung grundsätzlich einem Energieberater oder Bauphysiker überlassen und sie nicht nach Erfahrungswerten schätzen.

Der Vorteil der Innendämmung liegt darin, dass sie raumweise nachgerüstet werden kann und kein Gerüst benötigt; der Nachteil ist der Verlust an Wohnfläche sowie ein grundsätzlich höheres Risiko für Feuchteschäden, wenn Anschlüsse zu Zwischenwänden oder Deckenauflagern nicht sorgfältig ausgeführt werden.

Systeme im Vergleich: welches Verfahren passt wann?

Die folgende Übersicht fasst zusammen, wofür sich die vier Systeme jeweils am besten eignen:

SystemTypische EinsatzsituationDämmwirkungBesonderheit
WDVSStandard-Sanierung, Neubau, verputzte Fassadenhoch, frei wählbare Stärkeverändert die Fassadenoptik vollständig
VHFhochwertige Sanierung, unebene oder gestaltete Fassadenhoch, sehr diffusionsoffenhöherer Aufwand, langlebig
Kerndämmungzweischaliges Mauerwerk mit Hohlraumbegrenzt durch Hohlraumbreiteschnell, kaum sichtbare Veränderung
InnendämmungDenkmalschutz, Grenzbebauung, Sichtfassadenabhängig vom Material, meist begrenztWohnflächenverlust, Feuchterisiko ohne genaue Planung

Wer sich zwischen den Systemen nicht sicher ist, sollte zuerst prüfen, ob die Fassade überhaupt von außen verändert werden darf, und erst danach über Dämmstoff und Dicke entscheiden. In vielen Fällen zeigt bereits ein Blick auf den Wandaufbau – einschalig oder zweischalig, verputzt oder mit Sichtmauerwerk –, welche der vier Optionen technisch überhaupt möglich sind.

Fazit

Für die meisten Sanierungen ist das Wärmedämmverbundsystem die wirtschaftlichste Lösung, die vorgehängte hinterlüftete Fassade die dauerhaftere, aber teurere Alternative, und die Kerndämmung ein schneller Zusatznutzen bei geeignetem zweischaligem Mauerwerk. Nur wenn die Fassade unangetastet bleiben muss, führt der Weg zur Dämmung von innen – dann allerdings mit deutlich höheren Anforderungen an Planung und Ausführung, um Feuchteschäden sicher auszuschließen.

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