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Fassade Klinker: Material und Verarbeitung

Fassade Klinker im Detail: Material, Verarbeitung und Verbund von Vollklinker und Riemchen für eine langlebige, moderne Fassade.

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Autor
Markus Brandt
Veröffentlicht
Lesezeit
4 Min.
Fassade Klinker: Material und Verarbeitung

Eine Fassade aus Klinker ist mehr als eine Frage des Aussehens: Sie unterscheidet sich vor allem in Material und Verarbeitung, je nachdem ob massiver Vollklinker oder dünne Klinkerriemchen zum Einsatz kommen. Während die Pillar-Seite zum Thema Klinkerfassade den Überblick über Vor- und Nachteile liefert, geht es hier konkret darum, welches Material wie verbaut wird und worauf bei der handwerklichen Ausführung zu achten ist.

Vollklinker oder Klinkerriemchen: welches Material passt?

Vollklinker sind durchgebrannte, frostbeständige Ziegel mit einer typischen Steinstärke von 71 mm (Format NF) oder mehr. Sie tragen ihr eigenes Gewicht, benötigen ein eigenes Fundament beziehungsweise einen Vormauerabsatz und werden im zweischaligen Mauerwerk vor die tragende Wand gesetzt.

Bei einer Klinker-Riemchen-Fassade handelt es sich dagegen um dünne Verblendsteine mit einer Stärke von meist 14 bis 24 mm. Sie werden nicht gemauert, sondern geklebt – direkt auf tragfähigen Putz, auf eine Unterkonstruktion oder auf ein Wärmedämmverbundsystem. Das spart Gewicht, Platz und Fundamentlast, weshalb Riemchen bei nachträglicher Dämmung und im Altbau häufig die einzige praktikable Lösung sind.

Für Neubauten mit ausreichend Platz im Wandaufbau ist Vollklinker meist die robustere, aber auch aufwendigere Wahl. Riemchen eignen sich, wenn Wandstärke, Statik oder Budget begrenzt sind.

Verarbeitung: zweischaliges Mauerwerk versus Verklebung

Vollklinker wird als Vormauerschale vor die tragende Wand gesetzt, mit einer Luftschicht oder Kerndämmung von in der Regel 40 bis 120 mm dazwischen. Die beiden Schalen werden über nichtrostende Maueranker verbunden, üblich sind etwa vier Anker je Quadratmeter. Am Sockel sorgt eine Horizontalabdichtung dafür, dass keine Feuchtigkeit aus dem Erdreich aufsteigt, und offene Stoßfugen im untersten Bereich lassen eingedrungenes Kondenswasser wieder abfließen.

Bei einer Riemchen-Fassade beginnt die Verarbeitung mit der Prüfung des Untergrunds: Er muss eben, sauber und tragfähig sein, bei Altbauten oft nach vorheriger Grundierung. Die Riemchen werden mit einem flexiblen, wasserabweisenden Klebemörtel gesetzt und anschließend mit speziellem Fugmörtel verfugt. Wichtig ist ein sauberer Abschluss an Ecken und Fensterlaibungen – hierfür gibt es vorgefertigte Eck-Riemchen, die den Eindruck eines massiven Steins erzeugen.

In beiden Fällen gilt: Dehnungsfugen alle sechs bis acht Meter sowie an Gebäudekanten und Materialübergängen verhindern, dass Temperaturbewegungen zu Rissen führen.

Klinkerfassade modern gestalten

Wer eine Klinkerfassade modern wirken lassen will, setzt meist auf große, schlanke Formate wie das Waaldickformat oder Dünnformat, kombiniert mit schmalen, flächenbündigen Fugen im sogenannten Flush-Verband. Monochrome Farbtöne wie Anthrazit, reines Weiß oder ein durchgehendes Grau wirken zurückhaltender als klassische Rot- und Buntton-Mischungen.

Liegende Verbände mit durchlaufenden horizontalen Fugenlinien betonen die Gebäudekubatur und passen gut zu großflächiger Verglasung. Auch die Kombination aus Klinker und glatten, verputzten oder Sichtbeton-ähnlichen Flächen ist ein häufig genutztes Gestaltungsmittel im zeitgenössischen Fassadenbild.

Da Riemchen in nahezu jeder Klinkeroptik verfügbar sind, lässt sich dieser moderne Look auch bei energetischen Sanierungen mit Wärmedämmverbundsystem umsetzen, ohne auf die charakteristische Ziegeloberfläche verzichten zu müssen.

Kann man eine Klinkerfassade streichen?

Grundsätzlich ist Klinker nicht dafür konzipiert, gestrichen zu werden: Die gebrannte Oberfläche ist diffusionsoffen, und ein dichter Anstrich kann Feuchtigkeit im Mauerwerk einschließen. Wer die Optik dennoch verändern möchte, sollte ausschließlich mineralische, diffusionsoffene Silikatfarben verwenden und keinesfalls Dispersionsfarben, da diese zu Blasenbildung und Abplatzungen neigen.

Vor dem Streichen ist die Fassade gründlich zu reinigen und auf Ausblühungen, lose Fugen oder Risse zu prüfen, da ein Anstrich diese Schäden nur verdeckt statt behebt. Eine Grundierung verbessert die Haftung, ersetzt aber nicht die fachgerechte Sanierung vorhandener Mängel.

Wichtig zu wissen: Ein Anstrich auf Klinker lässt sich später kaum rückstandsfrei entfernen. Wer diesen Schritt erwägt, sollte ihn möglichst von einem Fachbetrieb ausführen lassen und sich bewusst sein, dass die ursprüngliche Klinkeroptik damit dauerhaft verändert wird.

Typische Verarbeitungsfehler und wie man sie erkennt

Die häufigsten Schäden an Klinkerfassaden entstehen nicht durch das Material selbst, sondern durch fehlerhafte Ausführung. Wer eine Fassade abnehmen oder bewerten will, sollte auf folgende Punkte achten:

  • Falscher Fugmörtel: Nicht frostbeständiger Mörtel bröckelt nach wenigen Wintern aus den Fugen.
  • Fehlende Entwässerungsöffnungen: Ohne offene Stoßfugen im Sockelbereich staut sich Feuchtigkeit hinter der Vormauerschale.
  • Fehlende Dehnungsfugen: Sie zeigen sich später als diagonale Risse, meist an Ecken oder über Fenstern.
  • Zu geringe Klebefläche bei Riemchen: Unzureichend aufgetragener Kleber führt zu Hohlstellen, die Riemchen lösen sich mit der Zeit vom Untergrund.
  • Falsche Fugenbreite: Zu schmale oder unregelmäßige Fugen erschweren spätere Reparaturen und beeinträchtigen die Optik dauerhaft.

Ein Klopftest auf verdächtige Riemchenflächen und eine Sichtprüfung der Fugen nach dem ersten Winter geben frühzeitig Hinweise auf solche Mängel.

Fazit

Ob Vollklinker oder Riemchen: Die Qualität einer Klinkerfassade entscheidet sich weniger am Stein selbst als an der handwerklich sauberen Verarbeitung – von der richtigen Mörtelwahl über funktionierende Entwässerung bis zu ausreichend dimensionierten Dehnungsfugen. Wer diese Grundlagen kennt, kann sowohl die Materialwahl für einen Neubau als auch die Ausführungsqualität einer bestehenden Fassade fundiert beurteilen.

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