Riemchen Klinker Fassade: Verlegung und Stil
Eine Riemchen Klinker Fassade verkleidet Wände mit dünnen Klinkerscheiben – hier erfahren Sie, wie die Verlegung gelingt und welche Stile möglich sind.
Angaben zur Ausarbeitung
- Autor
- Torsten Wegner
- Veröffentlicht
- Lesezeit
- 6 Min.
Eine Riemchen Klinker Fassade besteht aus dünnen, geschnittenen oder gepressten Klinkerscheiben, die auf einen tragfähigen Untergrund geklebt werden – statt aus vollen Ziegeln, die im Verband gemauert werden müssen. Das macht sie deutlich leichter, dünner und auch für Bestandsbauten oder Innenwände interessant, wo eine klassische Klinkerfassade aus statischen Gründen nicht möglich wäre. Wie die Verlegung konkret abläuft, welche Fehler dabei häufig passieren und welche gestalterischen Möglichkeiten eine Klinker-Riemchen Fassade bietet, klärt dieser Beitrag Schritt für Schritt.
Was unterscheidet Riemchen von einer klassischen Klinkerfassade?
Klinkerriemchen sind meist 1 bis 2,5 Zentimeter dick und werden entweder aus fertigen Klinkersteinen herausgesägt oder direkt in dieser flachen Form gebrannt. Optisch ist der Unterschied zur gemauerten Fassade Klinker kaum zu erkennen, da Riemchen dieselbe Oberflächenstruktur, Farbtiefe und teilweise sogar dieselben Formate wie Vollklinker besitzen. Der entscheidende Unterschied liegt im Aufbau: Riemchen werden geklebt, nicht gemauert, und übernehmen keine tragende oder aussteifende Funktion.
Das hat praktische Folgen für die Planung. Eine Riemchenfassade lässt sich auf vorhandenem Mauerwerk, auf einer Wärmedämmverbundsystem-Oberfläche mit geeignetem Klebegrund oder auf Trockenbauwänden im Innenbereich anbringen. Bei einer Vollklinkerfassade dagegen braucht es ein zweischaliges Mauerwerk mit Luftschicht, Konsolen und Ankern – ein deutlich aufwendigerer Aufbau, der in der Regel nur bei Neubauten wirtschaftlich sinnvoll ist.
Verlegung Schritt für Schritt: So gelingt die Riemchenfassade
Die Verlegung einer klinker-riemchen fassade folgt einem klaren Ablauf, bei dem jeder Schritt die Grundlage für den nächsten bildet. Wird eine Phase übersprungen oder schlampig ausgeführt, zeigen sich die Folgen oft erst nach Monaten in Form von Rissen, Ablösungen oder Frostschäden.
- Untergrund prüfen und vorbereiten: Der Untergrund muss trocken, tragfähig, sauber und frei von losen Bestandteilen sein. Saugende Untergründe wie Putz oder Mauerwerk werden grundiert, glatte oder stark saugende Flächen erhalten je nach Herstellerangabe eine Haftbrücke.
- Ebenheit kontrollieren: Unebenheiten über etwa 5 Millimeter pro Meter sollten vor der Verlegung ausgeglichen werden, sonst entstehen später sichtbare Versätze in den Fugen.
- Verlegeplan und Anschlagpunkte setzen: Mit Schnurgerüst und Wasserwaage werden horizontale Reihen markiert, damit die Fugen später auf ganzer Wandlänge sauber durchlaufen.
- Kleben: Mit einem geeigneten, flexiblen und frostbeständigen Fliesenkleber wird das Riemchen im Buttering-Floating-Verfahren – also beidseitig, auf dem Untergrund und auf der Rückseite des Riemchens – vollflächig angesetzt, um Hohlstellen zu vermeiden.
- Fugenbreite einhalten: Fugenkreuze oder Abstandshalter sichern eine gleichmäßige Fugenbreite, meist zwischen 8 und 15 Millimetern, je nach gewünschtem Fassadenbild.
- Aushärten lassen: Vor dem Verfugen braucht der Kleber je nach Produkt und Witterung mindestens 24 bis 48 Stunden Standzeit.
- Verfugen: Die Fugen werden mit witterungsbeständigem, flexiblem Fugenmörtel geschlossen und noch im leicht angezogenen Zustand geglättet oder gekehlt.
Bewegungsfugen im Untergrund – etwa an Gebäudekanten, Materialwechseln oder Dehnungsfugen des Mauerwerks – müssen unbedingt in die Riemchenfläche übernommen werden. Wer sie überklebt, riskiert, dass Spannungen direkt auf die dünne Klinkerschicht übertragen werden und Risse entstehen.
Werkzeug, Material und die häufigsten Fehler bei der Verlegung
Für eine saubere Riemchenverlegung braucht es kein Spezialwerkzeug aus dem Profibereich, wohl aber Sorgfalt bei der Auswahl der Materialien. Wichtig sind ein Zahnspachtel mit passender Zahnung für die Riemchendicke, eine Gummiwanne oder Fugenkelle, Fugenkreuze, ein Schwammbrett zum Reinigen sowie eine Mischbohrmaschine für den Kleber. Bei Außenfassaden ist zusätzlich ein System aus geprüften, frostsicheren und diffusionsoffenen Produkten Pflicht, da Klinker Feuchtigkeit aufnimmt und wieder abgeben muss.
Typische Fehler entstehen meist an denselben Stellen:
- Hohlstellen unter dem Riemchen: Wird der Kleber nur punktuell oder zu dünn aufgetragen, bleiben Luftpolster, in denen sich später Feuchtigkeit sammelt und im Winter zu Frostabsprengungen führt.
- Fehlende oder überklebte Bewegungsfugen: Sie sind die häufigste Ursache für Risse in der Fassadenfläche, oft erst nach dem ersten Frost-Tau-Wechsel sichtbar.
- Falsche Fugenmasse: Zementgebundene Fugenmörtel ohne Flexibilität reißen bei thermischer Bewegung schneller als speziell für Fassaden entwickelte Systeme.
- Zu wenig Trocknungszeit: Wird zu früh verfugt, drückt der noch weiche Kleber die Riemchen leicht aus der Ebene.
- Ungeschützte Sockelzone: Ohne Sockelabdichtung und ausreichenden Spritzwasserschutz zieht Feuchtigkeit von unten in die Fassade ein.
Wer diese Punkte kennt, erkennt Mängel früh: feine Haarrisse in der Fuge, dunkle Feuchteflecken oder ein hohl klingendes Geräusch beim Abklopfen einzelner Riemchen sind erste Warnsignale, die eine genauere Prüfung durch einen Fachbetrieb rechtfertigen.
Stilrichtungen: Wie wirkt Klinker an der Fassade heute?
Riemchen erlauben nahezu dieselbe gestalterische Bandbreite wie eine gemauerte fassade klinker in Vollformat, oft sogar mehr, weil sich Formate und Verlegemuster leichter kombinieren lassen. Wer eine klinker fassade modern gestalten möchte, greift derzeit häufig zu folgenden Ansätzen:
- Langformate mit schmaler Fugenbreite: Riemchen im Format ab 24 Zentimeter Länge, verlegt mit knapp bemessenen, dunkel eingefärbten Fugen, wirken ruhiger und großzügiger als kleinteilige, kontrastreiche Muster.
- Reduzierte Farbpalette: Anthrazit-, Grau- und gedeckte Erdtöne dominieren moderne Fassadenkonzepte, während bunte Buntklinker eher zu traditionellen oder ländlichen Bauten passen.
- Materialmix: Riemchen im Sockelbereich oder als Streifen zwischen großflächigen Putz- oder Holzfassaden setzen gezielte Akzente, ohne die gesamte Wandfläche zu bekleiden.
- Waschbeton- und Handform-Optik: Unregelmäßige, handgeformte Oberflächen mit leichten Farbnuancen wirken lebendiger als glatte, industriell wirkende Riemchen und eignen sich gut für Altbaufassaden.
- Vertikale Verlegung: Statt der klassischen liegenden Reihen setzen manche Fassaden auf stehend versetzte Riemchen, was Höhe betont und besonders bei schmalen Baukörpern gut funktioniert.
Ein Vorteil der Riemchentechnik gegenüber der Vollklinkerfassade: Da die Verlegung nicht an die statischen Regeln des Mauerns gebunden ist, lassen sich auch ungewöhnliche Formate, schmale Streifen oder Ecklösungen mit vorgefertigten Eckriemchen realisieren, die bei gemauerten Fassaden aufwendiger umzusetzen wären.
Kann man eine Riemchen-Klinkerfassade streichen?
Die Frage, ob man eine klinker fassade streichen kann, stellt sich vor allem bei älteren Riemchenfassaden, deren Farbe nicht mehr gefällt, oder bei Verwitterungsspuren. Grundsätzlich ist das Überstreichen technisch möglich, aber mit deutlichen Einschränkungen verbunden, die vor der Entscheidung bekannt sein sollten.
- Diffusionsoffenheit beachten: Klinker muss Feuchtigkeit aufnehmen und wieder abgeben können. Nur speziell für mineralische, offenporige Untergründe entwickelte Silikat- oder Silikonharzfarben eignen sich, dichte Dispersionslacke stauen Feuchte im Material und begünstigen Frostschäden.
- Reinigung vor dem Anstrich: Algen-, Moos- und Staubbewuchs müssen vor dem Streichen mit Wasser und geeigneten Bürsten entfernt werden, sonst hält die Farbe nicht dauerhaft.
- Fugenbild bleibt sichtbar: Anders als bei glatten Putzfassaden bleibt die Struktur der Riemchen und Fugen nach dem Anstrich erhalten – ein Streichen verändert die Farbe, nicht die Optik der Fassadengliederung.
- Kein Rückweg zur Rohoptik: Einmal gestrichener Klinker lässt sich praktisch nicht mehr in den ursprünglichen Zustand zurückversetzen, da die Poren des Materials die Farbe dauerhaft aufnehmen.
In der Praxis wird eine Riemchenfassade seltener gestrichen als eine Putzfassade, weil viele Bauherren gerade die natürliche Farbigkeit und Haptik des Klinkers schätzen. Wer dennoch streichen möchte, sollte vorab ein Musterfeld anlegen und – bei Bestandsbauten mit unklarer Bausubstanz oder in denkmalgeschützten Lagen – prüfen, ob örtliche Vorgaben oder eine Genehmigung der Bauaufsicht erforderlich sind.
Fazit
Eine Riemchenfassade verbindet die Optik echten Klinkers mit einem deutlich schlankeren, klebbaren Aufbau, der sich sowohl im Neubau als auch bei Sanierungen einsetzen lässt. Entscheidend für ein dauerhaftes Ergebnis sind ein tragfähiger, ebener Untergrund, vollflächiges Kleben ohne Hohlstellen und die konsequente Übernahme von Bewegungsfugen aus dem Untergrund. Gestalterisch lässt sich die Fassade von zurückhaltend modern bis lebhaft traditionell führen, während ein nachträglicher Anstrich zwar möglich ist, aber nur mit diffusionsoffenen Systemen und dem Wissen, dass der ursprüngliche Klinkerlook danach nicht wiederkehrt.