Alte Fassade neu verputzen: Vorbereitung und Technik
Alte Fassade neu verputzen: So prüfen Sie den Untergrund richtig, bereiten ihn fachgerecht vor und wählen die passende Putztechnik für dauerhaften Halt.
Angaben zur Ausarbeitung
- Autor
- Torsten Wegner
- Veröffentlicht
- Lesezeit
- 7 Min.
Wer eine alte Fassade neu verputzen will, steht vor einer anderen Ausgangslage als beim Neubau: Der vorhandene Putz kann tragfähig, geschädigt oder gar nicht mehr sanierungswürdig sein, und genau diese Beurteilung entscheidet über das weitere Vorgehen. Während die allgemeine Vorgehensweise beim Verputzen an anderer Stelle ausführlich beschrieben ist, geht es hier ausschließlich um die Besonderheiten einer bestehenden, gealterten Fassade: Wie prüft man den Altputz, wann darf man darauf neu verputzen, und wie unterscheidet sich die Technik von der Arbeit auf blankem Mauerwerk.
Zustand der alten Fassade richtig einschätzen
Bevor überhaupt Material bestellt wird, muss der Bestand geprüft werden. Ein Klopftest mit einem Gummihammer oder Holzstiel zeigt hohle Stellen: Ein dumpfer, hohler Klang bedeutet, dass sich der Putz vom Untergrund gelöst hat und keinen tragfähigen Haftgrund mehr bildet. Solche Bereiche müssen später zwingend entfernt werden, auch wenn die Oberfläche optisch noch intakt wirkt.
Zusätzlich zum Klopftest gehören folgende Prüfungen zur Bestandsaufnahme:
- Rissbild dokumentieren: Feine Haarrisse sind meist unkritisch, breite oder durchgehende Risse deuten auf Bewegungen im Mauerwerk oder auf einen zu starren, ungeeigneten Putzaufbau hin.
- Feuchtigkeit messen: Mit einem Feuchtemessgerät lässt sich feststellen, ob aufsteigende Feuchte oder ein Wasserschaden hinter dem Putz die eigentliche Ursache für Abplatzungen ist – das muss vor jeder Putzarbeit behoben sein.
- Kreide- und Sandtest: Reibt man mit der Hand über die Fläche und bleibt deutlich Farbe oder Sand haften, ist die alte Oberfläche stark sandend und braucht eine tiefenwirksame Grundierung oder muss abgetragen werden.
- Tragfähigkeit der Wärmedämmung prüfen: Bei WDVS-Fassaden ist zusätzlich zu kontrollieren, ob die Dämmplatten noch fest verklebt sind, da lose Platten unabhängig vom Zustand des Putzes ausgetauscht werden müssen.
Nur mit dieser Bestandsaufnahme lässt sich seriös entscheiden, ob eine Sanierung überhaupt sinnvoll ist oder ob größere Mauerwerksschäden zunächst von einem Statiker oder Bausachverständigen begutachtet werden sollten.
Fassade verputzen auf alten Putz: Wann ist das möglich?
Die Frage, ob man die Fassade verputzen kann, ohne den bestehenden Putz vollständig zu entfernen, lässt sich nicht pauschal beantworten. Grundsätzlich gilt: Neuer Putz darf nur auf einem Untergrund aufgebracht werden, der fest, sauber, saugfähig im richtigen Maß und frei von Rissen ist. Ist der Altputz überwiegend intakt und haftet er fest am Mauerwerk, ist ein Verputzen auf alten Putz technisch möglich und deutlich wirtschaftlicher als eine Komplettsanierung.
Typische Voraussetzungen dafür sind:
- Der Klopftest zeigt keine oder nur sehr kleine hohle Stellen (unter etwa fünf Prozent der Fläche).
- Es liegt keine aufsteigende oder eindringende Feuchtigkeit vor.
- Der alte Putz besteht aus einem mit dem neuen System verträglichen Material – mineralischer Altputz verträgt sich in der Regel mit mineralischem Neuputz, während stark kunstharzgebundene alte Beschichtungen problematisch sein können.
- Es gibt keine großflächigen Ausblühungen oder Algen- und Pilzbefall, der auf ein dauerhaftes Feuchteproblem hinweist.
Sind diese Bedingungen erfüllt, reicht meist eine gründliche Reinigung, punktuelles Ausbessern loser Stellen und eine geeignete Grundierung, bevor der neue Putz aufgetragen wird. Sind die Schäden dagegen großflächig, ist es technisch sauberer und langfristig günstiger, den kompletten Altputz bis auf das Mauerwerk zu entfernen, statt Kompromisse einzugehen, die spätere Risse oder erneute Ablösungen provozieren.
Vorbereitung Schritt für Schritt: Von der Reinigung bis zur Grundierung
Die Qualität der Vorbereitung entscheidet maßgeblich darüber, wie lange der neue Putz auf einer alten Fassade hält. Wird hier gespart, zeigen sich Mängel oft erst nach ein bis zwei Wintern in Form von Rissen oder Abplatzungen.
- Grobreinigung: Moos, Algen, lose Farbreste und Staub werden mit einem Niederdruckreiniger oder einer Bürste entfernt. Hochdruckreiniger sind bei porösem Altputz mit Vorsicht einzusetzen, da sie zusätzliche Schäden verursachen können.
- Schadstellen freilegen: Hohle und lose Putzbereiche werden mit Spachtel, Meißel oder Fräse bis auf tragfähigen Untergrund abgetragen. Die Ränder werden sauber ausgeschnitten, damit später keine scharfen Kanten sichtbar bleiben.
- Untergrund egalisieren: Größere Fehlstellen werden mit einem Ausgleichs- oder Vorspritzmörtel geschlossen, der zum vorhandenen Putzsystem passt. Unterschiedliche Saugfähigkeiten müssen dabei angeglichen werden.
- Risse behandeln: Statische Risse werden geöffnet, ausgekratzt und mit elastischem Mörtel oder Gewebeeinlage geschlossen, bevor die Fläche neu beschichtet wird.
- Grundierung auftragen: Je nach Saugverhalten kommt eine Tiefengrundierung auf stark saugenden Flächen oder ein Haftvermittler auf glatten, wenig saugenden Altputzen zum Einsatz. Die Grundierung muss vollständig durchtrocknen, bevor weitergearbeitet wird.
Bei Sockelbereichen und Übergängen zum Erdreich lohnt sich zusätzlich eine Prüfung der Abdichtung, da hier häufig die eigentliche Ursache für wiederkehrende Putzschäden liegt und eine reine Oberflächensanierung das Problem sonst nur verzögert.
Technik und Materialwahl beim Neuverputzen alter Fassaden
Beim Neuverputzen einer alten Fassade muss das gesamte Putzsystem – Unterputz, gegebenenfalls Armierung und Oberputz – aufeinander und auf den vorhandenen Untergrund abgestimmt sein. Ein häufiger Fehler ist die Kombination eines starren, zementreichen Putzes auf einem alten, weicheren Kalkputz: Die unterschiedliche Härte führt fast zwangsläufig zu Spannungsrissen.
Für die Sanierung alter Fassaden haben sich folgende Grundsätze bewährt:
- Weicher auf hart, nie umgekehrt: Der neue Putz sollte nie deutlich härter sein als der tragende Altputz darunter, damit Spannungen aus Temperatur- und Feuchtebewegungen aufgenommen werden können.
- Armierungsgewebe bei kritischen Untergründen: Auf reparierten Flächen, an Materialübergängen und bei Verputzen auf alten Putz mit unterschiedlicher Saugfähigkeit sollte ein Armierungsgewebe in die erste Putzlage eingebettet werden, um Rissbildung zu verhindern.
- Schichtdicke einhalten: Herstellerangaben zur maximalen Auftragsstärke pro Arbeitsgang sind bei Sanierungen besonders wichtig, da zu dicke Lagen auf altem Untergrund eher reißen oder abplatzen.
- Witterung beachten: Verputzt wird bei Temperaturen zwischen etwa 5 und 25 Grad, nicht in praller Sonne und nicht bei angekündigtem Frost oder Starkregen in den ersten Tagen nach dem Auftrag.
Nach dem Auftrag des Oberputzes folgt je nach System ein Anstrich mit Fassadenfarbe. Auch hier gilt: Die Farbe muss diffusionsoffen genug sein, damit im Mauerwerk vorhandene Restfeuchte weiterhin nach außen entweichen kann – ein häufiger Fehler bei Altbausanierungen ist der Einsatz zu dichter Beschichtungen, die Feuchtigkeit im Wandaufbau einschließen.
Fassade neu verputzen: Kosten, Eigenleistung und wann eine Firma nötig ist
Die Kosten für das Neuverputzen einer Fassade hängen stark vom Zustand des Altputzes ab. Reine Ausbesserungen mit anschließendem Neuanstrich liegen deutlich unter den Kosten einer Komplettsanierung, bei der der gesamte alte Putz abgeschlagen und neu aufgebaut wird. Als grobe Orientierung für die Kosten beim Neuverputzen einer Fassade durch eine Fachfirma dienen folgende Spannen pro Quadratmeter:
- Ausbessern und neu Anstreichen bei überwiegend intaktem Altputz: unterer bis mittlerer zweistelliger Bereich
- Verputzen auf alten Putz nach gründlicher Vorbereitung: mittlerer Bereich
- Kompletter Rückbau und Neuaufbau des Putzsystems inklusive Gerüst: oberer Bereich, je nach Fassadenhöhe und Material auch darüber
Diese Werte schwanken regional und je nach gewähltem Material (mineralisch, Silikat, Silikonharz) erheblich, weshalb ein konkretes Angebot immer vor Ort eingeholt werden sollte.
Wer die Fassade selbst verputzen möchte, sollte sich ehrlich einschätzen: Kleinere Ausbesserungen, das Streichen einer intakten Fläche oder das Verputzen einzelner Sockelbereiche sind mit handwerklichem Geschick machbar. Ganze Fassadenflächen erfordern dagegen Erfahrung im gleichmäßigen Auftrag, im Timing des Abziehens und Strukturierens sowie in der sicheren Arbeit auf Gerüst oder Leiter – Fehler zeigen sich hier großflächig und sind nachträglich kaum zu kaschieren. Auch die Einschätzung, ob Feuchteschäden oder Risse statische Ursachen haben, gehört in fachkundige Hände.
Bei größeren Schäden, bei Unsicherheit über die Ursache von Rissen oder wenn ein WDVS betroffen ist, lohnt sich die Suche nach einer Fassade-verputzen-Firma in der Nähe: Regionale Stuckateur- und Malerbetriebe kennen die üblichen Bauweisen und Putzsysteme vor Ort und können den Zustand der Fassade fachgerecht beurteilen, bevor überhaupt Material bestellt wird. Mehrere Angebote einzuholen lohnt sich, da sich Aufwand und Materialwahl je nach Betrieb spürbar unterscheiden können.
Fazit
Eine alte Fassade neu zu verputzen ist vor allem eine Frage der sorgfältigen Bestandsaufnahme: Erst wenn Feuchtigkeit, Haftfestigkeit und Rissbild geklärt sind, lässt sich entscheiden, ob ein Verputzen auf dem vorhandenen Altputz möglich ist oder ob ein kompletter Rückbau nötig wird. Wer diese Vorarbeit gründlich erledigt und ein passendes, aufeinander abgestimmtes Putzsystem wählt, verhindert die häufigsten Ursachen für erneute Risse und Abplatzungen. Kleinere Ausbesserungen lassen sich in Eigenregie umsetzen, bei größeren Schäden oder unklaren Ursachen ist die Beauftragung eines Fachbetriebs die sicherere und langfristig günstigere Lösung.