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Klinker Fassade streichen: Anleitung und Tipps

Wer eine Klinkerfassade streichen möchte, sollte wissen: Es ist selten die richtige Lösung – hier erfahren Sie, wann und wie es trotzdem gelingt.

Angaben zur Ausarbeitung

Autor
Jürgen Lindqvist
Veröffentlicht
Lesezeit
4 Min.
Klinker Fassade streichen: Anleitung und Tipps

Eine Klinkerfassade zu streichen ist technisch machbar, aber in den meisten Fällen bauphysikalisch riskant – klassisches Klinkermauerwerk lebt gerade davon, dass Feuchtigkeit ungehindert nach außen entweichen kann. Anders als das reine Baumaterial im Detail funktioniert, wird im Pillar-Artikel „Klinker Fassade" erklärt; hier geht es konkret darum, ob, wann und wie ein Anstrich auf gebranntem Ziegel sinnvoll umgesetzt werden kann.

Warum ein Anstrich auf Klinker problematisch ist

Klinker ist ein bei sehr hohen Temperaturen gebrannter Ziegel mit extrem niedriger Wasseraufnahme, aber er ist nicht wasserdicht. Feuchtigkeit, die über Fugen, Kapillaren oder Mikrorisse eindringt, muss wieder verdunsten können – genau das verhindert eine geschlossene, dampfdichte Farbschicht.

Wird diese Diffusion blockiert, staut sich Wasser hinter dem Anstrich. Bei Frost dehnt es sich aus und sprengt die Oberfläche: Es entstehen Abplatzungen, die sogenannten Frostabplatzungen, die den Ziegel dauerhaft beschädigen und optisch wie strukturell kaum reparabel sind. Zusätzlich verändert ein Anstrich die typische changierende Optik des gebrannten Materials, die viele Bauherren bei Fassade Klinker gerade schätzen.

Ein weiteres Risiko betrifft die Fugen: Mörtelfugen reagieren anders auf Temperatur und Feuchte als der Ziegel selbst. Ein durchgängiger Anstrich über beide Materialien hinweg reißt an diesen Übergängen häufig zuerst auf und lässt Wasser gezielt an den ohnehin empfindlichsten Stellen eindringen.

Wann ein Anstrich trotzdem infrage kommt

Es gibt Situationen, in denen ein Farbauftrag sinnvoll sein kann, etwa bei stark verwittertem, porösem Altklinker, der ohnehin schon Feuchte zieht, oder wenn eine Sanierungsfarbe gezielt zur Vereinheitlichung eines optisch unruhigen Bestands eingesetzt wird. Auch bei einer Klinker-Riemchen-Fassade auf einem gedämmten Wandaufbau ist die Ausgangslage etwas anders als bei tragendem Vollklinker.

Eine Riemchen-Klinker-Fassade besteht aus dünnen, geklebten Ziegelplatten vor einer Wärmedämmung oder einem Massivuntergrund. Hier übernimmt oft schon die dahinterliegende Konstruktion die Feuchteregulierung, sodass ein diffusionsoffener Anstrich auf den Riemchen weniger kritisch ausfällt als auf tragendem Klinkermauerwerk – ein Restrisiko bleibt aber bestehen.

Grundsätzlich gilt: Vor jedem Anstrich sollte der Zustand von Fugen, Verankerung und Untergrund von einer Fachfirma geprüft werden. Bei denkmalgeschützten oder historischen Fassaden ist ein Anstrich zudem oft genehmigungspflichtig und sollte vorab mit der zuständigen Bauaufsicht abgestimmt werden.

Klinkerfassade richtig streichen: Schritt für Schritt

Wer sich nach sorgfältiger Abwägung für einen Anstrich entscheidet, sollte folgende Reihenfolge einhalten, damit die Farbschicht möglichst lange hält und keine Feuchteschäden verursacht:

  1. Untergrund prüfen und reinigen: Lose Fugenreste, Algen, Moos und Verschmutzungen mit Niederdruckreinigung oder Bürste entfernen, keinesfalls mit aggressivem Hochdruckstrahl, der Fugen auswaschen kann.
  2. Trocknungszeit einplanen: Die Fassade muss vollständig durchtrocknen, im Idealfall mehrere trockene, warme Tage ohne direkte Sonneneinstrahlung während der Arbeiten.
  3. Schäden ausbessern: Rissige oder herausgebrochene Fugen mit passendem Fugenmörtel neu verfugen, abgeplatzte Ziegel gegebenenfalls austauschen.
  4. Diffusionsoffene Grundierung auftragen: Eine mineralische, silikatbasierte Grundierung sorgt für Haftung, ohne die Kapillarwirkung des Ziegels zu blockieren.
  5. Farbe auftragen: Zwei dünne Schichten sind einer dicken vorzuziehen, damit die Poren offenbleiben; Arbeitsgeräte sind Rolle für Flächen und Pinsel für Fugen und Kanten.

Persönliche Schutzausrüstung wie Schutzbrille, Handschuhe und bei Arbeiten oberhalb des Erdgeschosses ein normgerechtes Gerüst oder eine Hebebühne sind bei Fassadenarbeiten Pflicht, nicht optional.

Welche Farbe eignet sich für Riemchen und moderne Optik?

Für eine klinker fassade modern gestrichen werden soll, kommen fast ausschließlich mineralische Silikatfarben in Betracht. Sie verbinden sich chemisch mit dem mineralischen Untergrund, bleiben dauerhaft diffusionsoffen und sind UV-stabil, was bei sonnenexponierten Süd- und Westfassaden wichtig ist.

Dispersionsfarben auf Kunststoffbasis sollten für Klinker generell vermieden werden, da sie eine geschlossene Filmschicht bilden und damit genau das Feuchteproblem verursachen, das einen Frostschaden begünstigt. Bei einer Klinker-Riemchen-Fassade wird häufig ergänzend eine Hydrophobierung diskutiert: eine wasserabweisende, aber dampfoffene Imprägnierung, die das Eindringen von Regenwasser reduziert, ohne die Optik oder Diffusionsfähigkeit zu verändern.

Wer die charakteristische Ziegeltextur erhalten, aber den Farbton dezent auffrischen möchte, kann statt eines deckenden Anstrichs auch eine Lasur wählen. Sie lässt die Struktur des Ziegels durchscheinen und wirkt gerade bei zeitgenössischer Architektur oft passender als eine vollflächige Farbfläche in Anthrazit, Weiß oder Grautönen, die aktuell für moderne Fassadengestaltung gefragt sind.

Häufige Fehler beim Streichen einer Klinkerfassade

  • Streichen bei ungeeigneter Witterung: Zu niedrige Temperaturen oder Feuchte in der Wand führen zu schlechter Haftung und vorzeitigem Abplatzen der Farbe.
  • Falsche Farbwahl: Kunststoffdispersionen oder dichte Lacke verschließen die Oberfläche und provozieren Frostschäden im nächsten Winter.
  • Fehlende Fugensanierung: Wird über brüchige Fugen gestrichen, reißt die Beschichtung dort zuerst und Wasser dringt gezielt ein.
  • Ignorierte Vorschäden: Bereits abgeplatzte oder durchfeuchtete Ziegel unter einem neuen Anstrich zu verstecken, verschlimmert das Problem, statt es zu lösen.

Wer nach dem Streichen feine, netzartige Risse, Blasenbildung oder abblätternde Farbränder an den Fugen bemerkt, sollte frühzeitig eine Fachfirma für Fassadensanierung hinzuziehen, bevor sich der Schaden auf tieferliegendes Mauerwerk ausweitet.

Fazit

Ein Anstrich auf Klinker ist keine Standardmaßnahme, sondern eine Ausnahmeentscheidung, die eine gründliche Untergrundprüfung, diffusionsoffene Materialien und handwerkliche Sorgfalt voraussetzt. Bei Riemchenfassaden ist das Risiko geringer als bei tragendem Vollklinker, verschwindet aber nicht vollständig. Wer unsicher ist, sollte vor jedem Farbauftrag einen Fachbetrieb den Zustand von Ziegel und Fugen beurteilen lassen.

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